Kardiologische
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Ballonkatheter, Stent

Wird bei der Koronarangiographie eine Verengung der Herzkranzgefäße aufgedeckt, kann das betroffene Gefäß durch eine Ballondilatation oder auch perkutane transluminale coronare Angioplastie (PTCA) aufgeweitet werden.

Unter Röntgenkontrolle wird der Ballon in die Enge oder verschlossene Stelle des Kranzgefäßes vorgeschoben. Um Wiederverengungen und Gefäßwandeinrisse (Dissektionen) zu verhindern wird meist zusätzlich ein Stent - ein kleines Gittergerüst in Röhrchenform aus Metall - in das Blutgefäß eingesetzt, das die Verengung abstützt.


Der Stent wird auf einem Ballonkatheter zusammengefaltet an die verengte Stelle vorgeschoben und dann durch den Ballon mit sehr hohem Druck (meist 10-16 atü) an die Gefäßwand gepresst. Die reine Ballondilatation ist heute die Ausnahme. Die verwendeten Ballons oder Stents haben wahlweise, je nach Ausmaß des Gefäßes und der Verengung, einen Durchmesser von 1,5 bis 5 mm und Länge von 10 bis 30 mm.

 

Leider ist jedoch damit zu rechnen, dass bei ca. 10% bis 20% der mit einem Stent behandelten Gefäßabschnitte in den ersten 3 bis 6 Monaten wieder eine neue bedeutsame Einengung (Re-Stenose) durch Ausbildung von wulstigen Narben bei der Einheilung des Stents in die Aderwand entstehen kann. Glücklicherweise kann solch eine Re-Stenosierung bei vielen Patienten ebenfalls mit großem Erfolg wieder aufgedehnt werden. Zunehmend bewährt hat sich in solchen Fällen in den ersten, eingeengten Stent, einen mit Medikamenten beschichteten Stent einzusetzen. So wird eine erneute übermäßige Narbenbildung bei der Einheilung noch unwahrscheinlicher.


Mit Medikamenten beschichtete Stents (DES) sind Stents, die mit biologisch sehr gut verträglichen Materialien überzogen wurden, die wiederum in der Lage sind, Medikamenten (Zytostatika oder Imunsuppressiva) aufzunehmen und diese in vorhersehbarer Menge und Zeit in die Aderwand abzugeben.  Diese Stents werden als "Drug Eluting Stent" (DES) bezeichnet, übersetzt etwa „Medikamenten abgebender Stent“. Zur Zeit werden bei den meisten Stents in geringer Menge aufgetragene Krebsmittel (Zytostatika) für die Hemmung der Narbenwucherungen benutzt. Auf diese Weise soll die Zahl der unerwünschten Wiedereinengungen (Re-Stenosierungen) auf ca. 3-5% vermindert werden. Der Vorteil dieser Stents kommt bei sehr langen Stenosen und kleinen Gefäßen zum Tragen, wo das Restenoserisiko besonders hoch ist. Bei großen Gefäßen ist meist ein nicht beschichteter Stents (BMS =Bare Metal Stent) ausreichend. Der Nachteil der DES besteht in einem Risiko eines plötzlichen Verschlusses durch eine Blutgerinnsel (Stentthrombose). Medikamenten beschichtete Stents sind zudem sehr viel teurer als die unbeschichteten Stents.

Keiner der prinzipiell verwendbaren Stents (BMS versus DES) ist in jedem Fall als der Bessere anzusehen, die Entscheidung kann nur individuell getroffen werden. In vielen Fällen ist dabei nach wie vor dem herkömmlichen Stent (nicht beschichteter Stent) den Vorzug zu geben.

Nach der Behandlung mit einem Stent ist eine begleitende medikamentöse Behandlung, namentlich die konsequente und regelmäßige Einnahme von gerinnungshemmenden Substanzen, ASS gemeinsam mit Clopidogrel (Plavix®, Iscover®), notwendig.  Damit wird ein komplikationsloses Einheilen des Stents ermöglichst.

Nach Einsetzen eines einfachen Metallstents (BMS) ist in der Regel für die Zeit von 4 Wochen eine Doppelbehandlung mit ASS und Clopidogrel ausreichend. Im Anschluss daran ist die Fortsetzung der Behandlung mit ASS alleine notwendig. Bei beschichteten Stents, die langsamer in die Gefäßwand einheilen, wird eine längere Doppelbehandlung von 6 bis 12 Monate empfohlen.


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